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Wenn der Zickzack Kurs die einzige Konstante ist. Oder: Warum Chancen nicht immer gut und Verzicht vor allem nicht immer schlecht ist.

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Wenn der Zickzack Kurs die einzige Konstante ist. Oder: Warum Chancen nicht immer gut und Verzicht vor allem nicht immer schlecht ist.

Marco Alberti

Die kürzeste Verbindung zwischen zwei Punkten ist eine Gerade. Da das Zurücklegen von Wegstrecke nicht nur Zeit, sondern vor allem auch Energie bedarf ist es eigentlich ratsam seine Strecke so gerade und direkt wie möglich zurück zu legen. Betrachtet man den Kurs von erfolgreichen Unternehmen oder Markenstrategien so stellt man oftmals fest, dass dies allerdings in keiner Weise einer Gerade ähnelt. Aber warum?

Grob zusammengefasst gibt es folgende Einflussfaktoren, die einen vom direkten Kurs abhalten können:

  1. Unwissenheit bzw. Annahmen
  2. falsche Rahmenbedingungen
  3. Planänderungen
  4. Opportunitäten 

In der Folge wollen wir auch einen kleinen Leitfaden geben, wie man sich trotz aller Einflüsse nicht verzettelt. Wir unterstellen einfach einmal bei der Betrachtung, dass eine allgemeine Planlosigkeit ausgeschlossen werden kann, denn wie schon Seneca sagte, weht für ein Schiff ,welches seinen Kurs nicht kennt, kein Wind gut. Wenn wir nicht wissen wo wir hinwollen, ist es wenig verwunderlich, wenn wir am Ende nirgendwo ankommen.

Mit der Unwissenheit verhält es sich dabei schon deutlich komplizierter. Solange man ein klares Kartenmaterial hat und sicher planen kann, ist der rechte Kurs leicht zu ermitteln. In der wirtschaftlichen Realität hingegen gibt es in vielen Bereichen kein verlässliches Kartenmaterial im Sinne von Erfahrungswerten oder Branchenvergleichen. Viele Entscheidungen werden in Unwissenheit getroffen und basieren auf Annahmen. Nicht umsonst werden Annahmen auch gerne als „Mutter des Scheiterns“ tituliert. Werden die Annahmen auf dem Weg bestätigt, geht es in die Richtung weiter. Wurden die Annahmen allerdings widerlegt, so muss der Kurs erneut angepasst werden. Wichtig ist dabei, dass die Himmelsrichtung passt. Der Nordstern, die Vision eines Unternehmens. Solange die grundsätzliche Ausrichtung der Aktivitäten einheitlichen Richtlinien folgt ist man zumindest mal sicher, dass die Reise nicht in die völlig falsche Richtung geht.

Die Rahmenbedingungen beeinflussen den Kurs ebenfalls maßgeblich und lassen sich leider meist nur sehr begrenzt oder gar nicht steuern. Vergleichbar zu einem Segelboot das mit den wechselnden Windrichtungen klarkommen muss, müssen sich Unternehmen auf sich ständig verändernd Marktsituationen anpassen. Was einen gestern noch beflügelt hat, kann einem heute mit voller Wucht entgegen prallen. Dagegen hilft in der Regel nur eine gewisse Agilität in Form von Anpassungsfähigkeit und eine solide Portion Durchhaltevermögen. Oftmals lassen sich solche Situationen aushalten, bis wieder bessere Bedingungen herrschen oder man kann sich schnell genug der Veränderung anpassen.

Planänderungen führen zweifellos zu einem Zick-Zack-Kurs, da man das ursprüngliche Ziel ändert und damit sofort die Richtung beeinflusst. Wenn die Änderungen der Pläne aus der Generierung von neuem Wissen hervorgehend und innerhalb einem vorher definierten Zeitrahmen passiert, ist dagegen in der Regel nicht viel einzuwenden. Wenn man heute mehr weiss als gestern, sollte man dieses Wissen nutzen und seine Planung anpassen. Ebenso sollte man für ein Projekt vorher einen Zeitrahmen definieren, bis es greift und genügend Erkenntnisse liefert, um eventuell den Kurs anzupassen. Dabei ist es absolut erforderlich, dass alle Beteiligten transparent und ehrlich über die Gründe der Planänderung aufgeklärt werden, so dass bei den Mitarbeitern nicht das Gefühl der Willkür entsteht. Bei jeder Planänderung sollten natürlich auch die Folgen bedacht werden. Es lässt sich in der Regel kalkulieren, wie hoch der Aufwand ist und welche Energie zum Beispiel durch ein nicht zu Ende gebrachtes Projekt einfach vernichtet wird. 

Der letzte und mit unter schwierigste Einflussfaktor für eine Kursabweichung ist das Auftreten von Opportunitäten. Ähnlich einem Kind vor den Kassenregalen im Supermarkt, hat man als Manager oder CEO ständig unglaublich interessante Möglichkeiten vor sich. Nicht jede Chance birgt auch zwingend ein Risiko, aber zumindest kommen Chancen nicht ganz ohne Preise. Denn das Ergreifen von Möglichkeiten hängt oft mit dem Nicht-Erreichen von bereits vorgenommenen Zielen zusammen. Zudem muss man stets im Auge behalten, welche Kursänderung eine Chance zur Folge haben kann. Verändert man z.B. wegen eines anstehenden Grossauftrages die Eigenschaften des ursprünglichen Produktes, hat das u.U. lange Zeit Auswirkungen auf den weiteren Verlauf des Unternehmens. Möglicherweise steigert sich die Komplexität, da man mehrere Produktlinien pflegen muss oder sich gar das ganze Portfolio verändert. Hier ist ein Abgleich mit den ursprünglichen Zielen unbedingt notwendig, um die Chancen auszusortieren, die zwar reizvoll aber nicht sinnvoll sind. Auch hierbei ist es notwendig, dass die Mitarbeiter diese Entscheidung verstehen müssen, indem sie die Ziele und Visionen des Unternehmens kennen und mittragen. 

Wer jeder Opportunität folgt, wird zweifelsohne irgendwo hingespült und verzettelt sich. Ob das dann etwas mit dem ursprünglichen Ziel zu tun hat, bleibt fraglich. Daher sollte die Ableitung aus der Fragestellung vor allem darin bestehen, dass man nicht aus den gegebenen Mitteln das Beste rausholt, sondern ein gegebenes Ziel mit der geringsten Anzahl an Ressourcen erreicht. Klassisch wäre beides getreu dem MinMax-Prinzip natürlich ideal. Sobald es aber zu einem Zielkonflikt kommt, sollte sich die Allokation der Ressourcen dem Ziel anpassen. 

Solange der Zick-Zack-Kurs in einem Channel mit einer klaren Richtung und Leitplanken rechts und links, aber nicht in einem Kreis endet, ist alles in Ordnung. Und noch besser ist es, wenn die Mitarbeiter diese Leitplanken kennen, d.h. die Vision und Ziele des Unternehmens mittragen und verstehen.