#142 Wie gehe ich am Besten mit Risiko um, Prof. Dr. Ortwin Renn?
Luisa Lazarovici
TL;DR
Risiko beginnt nicht beim Schaden, sondern bei der Möglichkeit, ihn zu begrenzen – Nur unsichere Folgen eröffnen Raum für Prävention.
Mehr Wissen beendet keinen Risikokonflikt – Interessen, Werte und Routinen prägen Entscheidungen ebenso stark wie Evidenz.
Systemische Risiken werden durch Kaskaden gefährlich – Polykrisen entstehen, wenn mehrere solcher Krisen gleichzeitig wirksam werden.
Resilienz braucht faire Spielregeln – Wer allein vorsorgt, verliert im Effizienzwettbewerb oft gegen weniger robuste Konkurrenten.
In dieser Folge des Murakamy Podcasts diskutiert Marco mit Risikoforscher Prof. Dr. Ortwin Renn: Wie lassen sich Risiken realistisch einschätzen, ohne sie zu dramatisieren oder kleinzureden? Menschen überschätzen spektakuläre Gefahren, spielen vertraute Risiken herunter und suchen Gewissheit, wo es nur Wahrscheinlichkeiten gibt. Renn erklärt, wie solche Verzerrungen entstehen und weshalb Daten allein noch kein vernünftiges Handeln garantieren. An Beispielen vom Klimawandel über brüchige Lieferketten bis zur künstlichen Intelligenz zeigt er, wie einzelne Störungen ganze Systeme erfassen können. Entscheidend wird es dort, wo Berechnungen nicht mehr tragen: Wie handelt man ohne belastbare Zahlen? Wann wird Vorsorge zur teuren Überreaktion? Und wann ist weitere Analyse nur ein Aufschub? Guter Umgang mit Risiko heißt nicht, Gewissheit herzustellen, sondern unter Unsicherheit begründet und rechtzeitig zu entscheiden.
00:00–05:58 | Was ein Risiko zum Risiko macht
Risiken verbinden unsichere Folgen mit Dingen, die Menschen etwas bedeuten.05:58–11:15 | Erfahrung, Experiment und Simulation
Drei Erkenntniswege helfen, Gefahren zu identifizieren und mögliche Entwicklungen durchzuspielen.11:15–19:31 | Warum Evidenz unser Verhalten nicht bestimmt
Kognitive Dissonanz erklärt, weshalb Menschen statistische Gefahren beschönigen oder übertreiben.19:31–29:35 | Zukunftsmodelle und gefühlte Bedrohungen
Kontrollierbarkeit und Vertrautheit beeinflussen die Angst häufig stärker als objektive Schadensdaten.29:35–38:45 | Überschätzte Gefahren und unterschätzte Alltagsrisiken
Freiwillige Belastungen erscheinen harmloser, während aufgezwungene Gefahren besonders bedrohlich wirken.38:45–44:42 | Von Grauzonen zur Polykrise
Unternehmensprobleme können über vernetzte Systeme in andere wirtschaftliche und gesellschaftliche Bereiche überspringen.44:42–57:41 | Künstliche Intelligenz als systemisches Risiko
Automatisierung verschärft Verteilungsfragen und könnte soziale Zerwürfnisse sowie neue Abhängigkeiten erzeugen.57:41–01:03:40 | Der Preis robuster Unternehmen
Diversifikation gelingt nur innerhalb vorhandener Kompetenzen und unter vergleichbaren Wettbewerbsbedingungen.01:03:40–01:13:46 | Konflikte durch gemeinsame Sprache entschärfen
Mediation macht Interessen sichtbar und übersetzt verhärtete Positionen in anschlussfähige Begriffe.01:13:46–01:23:36 | Wann weitere Analyse nicht mehr hilft
Bei Ambiguität führen zusätzliche Daten nicht automatisch zu einer eindeutig richtigen Entscheidung.01:23:36–01:28:59 | Kann KI menschliche Urteilskraft entwickeln?
Unwahrscheinliche Antworten zeigen Potenzial, doch echte Reflexionsfähigkeit bleibt eine offene Frage.
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