#138 Was macht die Digitalisierung mit der Gesellschaft, Dirk Baecker?
Luisa Lazarovici
TL;DR
Komplexität ersetzt Vernunft als Leitprinzip – In hochvernetzten Systemen reicht rationales Planen nicht mehr aus, weil Zwecke, Folgen und Wechselwirkungen dauerhaft in Bewegung sind.
Digitalisierung ist kein Technologieprojekt – Digitale Medien verändern die Strukturen gesellschaftlicher Kommunikation und damit die Bedingungen, unter denen Organisationen überhaupt Entscheidungen treffen.
Organisationen leben von fortlaufender Kommunikation – Ziele besitzen keine dauerhafte Gültigkeit, sondern verlieren ohne regelmäßige Erneuerung ihre orientierende Wirkung.
Künstliche Intelligenz verschiebt den Ort der Entscheidung – Nicht einzelne Menschen, sondern datengetriebene Kommunikationssysteme übernehmen zunehmend Koordination und Selektion.
In dieser Folge des Murakamy Podcasts spricht Marco mit dem Soziologen Dirk Baecker über die Wechselwirkungen zwischen Digitalisierung, Gesellschaft und Unternehmen. Ausgehend von der unterschiedlichen Sichtweise von Soziologie und Ökonomie entwickelt sich ein Gespräch über die Grenzen rationaler Steuerung in einer zunehmend komplexen Welt. Baecker zeigt, warum Digitalisierung weniger ein Technologieprojekt als ein Wandel der gesellschaftlichen Kommunikationsstrukturen ist und weshalb Unternehmen Komplexität nicht länger reduzieren, sondern produktiv mit ihr umgehen müssen. Gewinn erscheint dabei als notwendige operative Vereinfachung, nicht als ausreichender Maßstab für unternehmerisches Handeln. Gemeinsam diskutieren sie, wie sich Führung verändert, wenn Orientierung nicht mehr durch eindeutige Pläne entsteht, sondern durch die Fähigkeit, Entscheidungen unter Unsicherheit immer wieder neu auszurichten.
00:00–20:06 | Ökonomie, Soziologie und die Grenzen rationaler Steuerung
Wie unterschiedliche Denkmodelle Organisationen und Entscheidungen beschreiben.20:06–33:17 | Was Digitalisierung tatsächlich verändert
Warum digitale Medien gesellschaftliche Kommunikation grundlegend umstrukturieren.33:17–46:46 | Aufmerksamkeit, Medien und gesellschaftliche Komplexität
Wie digitale Kommunikation Wahrnehmung, Verhalten und Organisation verändert.46:46–01:00:50 | KI als neues Koordinationssystem
Welche Rolle datenbasierte Systeme künftig bei Entscheidungen übernehmen könnten.01:00:50–01:08:18 | Daten, Beziehungen und soziale Systeme
Warum mehr Daten nicht automatisch zu mehr Verständigung führen.01:08:18–01:24:37 | Führung, Ziele und permanente Korrektur
Weshalb Organisationen Ziele kontinuierlich kommunikativ stabilisieren müssen.01:24:37–01:29:40 | Scheitern, Evolution und offene Fragen
Warum das Ende von Organisationen ebenso Teil gesellschaftlicher Entwicklung ist wie ihr Erfolg.
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